Projekt “Thor“ beinhaltete den Bau des ersten TU Wien Spaceteam-eigenen Teststands samt Triebwerk. Dieses war für den Betrieb mit Ethanol als Treibstoff ausgelegt. Als Oxidator kam zunächst Druckluft und dann mit Sauerstoff angereicherte Druckluft (Nitrox) zum Einsatz. Das Projekt eröffnete für das Spaceteam die Ära der Flüssigtriebwerksentwicklung (liquid propulsion), was für Studententeams einen beachtlichen Schritt darstellt. Der maximale gemessene Schub dieser Anlage betrug auch nach dem Upgrade auf das “Proteus” Triebwerk lediglich 70N, aber das Ziel zu demonstrieren, dass das Spaceteam in der Lage ist, Maschinen dieser Komplexität in Eigenregie zu entwerfen, zu bauen und sicher zu betrieben wurde damit erreicht. Der Teststand wurde 2019 außer Dienst gestellt und durch den TS02-500N abgelöst.

Die frühen Meilensteine des Projekts:

Dez. 2017: “Arbeitsgruppe Propulsion” führt erste Versuchsreihe zur Treibstoffzerstäubung durch.

März 2018: Nach dreimonatiger Bauzeit des Triebwerks LE-01 “Thor” wird der erste cold flow test (ohne Zündung) durchgeführt, aus Sicherheitsgründen kommt zunächst ein Wasser/Druckluft gemisch zum Einsatz. Mit Hilfe einer transparenten Gegendruckkammer kann das Strömungsverhalten bei realitätsnahen Bedingungen beobachtet und dokumentiert werden.

April 2018: Der erste Hotfire Test mit Ethanol/Druckluft wird durchgeführt. Danach wird Druckluft durch das stärker oxidierende Nitrox ersetzt.

März 2019: Das neue Triebwerk LE-02 “Proteus” wird in Dienst genommen. Das Triebwerk soll aufgrund seiner modularen Bauweise vor Allem dazu dienen verschiedene Brennkammer- und Injektor-Designs zu testen.

Im weiteren Verlauf des Jahres 2019 wurden Upgrades hinzugefügt, so wurde eine verbesserte Sensorik und eine Möglichkeit zur Schubvektormessung integriert. Letztere wurde über drei Kraftmesszellen realisiert an denen das Triebwerk aufgehängt ist und die während des Tests die auftretenden Kräfte aufzeichnen. Darüber hinaus wurden drei piezoelektrische Drucksensoren installiert, die den Brennstoff-, Oxidator- und Brennkammerdruck messen. Mit dieser Ausstattung erreichte das Spaceteam im Spätsommer 2019 die erste stabile Verbrennung.