Vom 9. bis 15. Oktober 2025 nahm das TU Wien Space Team mit seiner Flüssigrakete Hedy
an der European Rocketry Challenge (EuRoC) in Constância, Portugal teil. Nach einer
intensiven Testkampagne, monatelanger Vorbereitung und einem herausfordernden Starttag
konnte das Team einen vollen Erfolg feiern: Hedy erreichte eine Höhe von 5.336 Metern und
durchbrach dabei mit Mach 1,1 die Schallmauer. Damit erzielten sie den höchsten Flug in
der Kategorie Liquid 9km und den zweithöchsten des gesamten Wettbewerbs.
Das Projekt Lamarr
Lamarr ist das zweite Flüssigraketenprojekt des TU Wien Space Teams und ein wichtiger
Schritt in der Weiterentwicklung komplexer Raketentechnologien auf studentischer Ebene.
Benannt nach der österreichischen Erfinderin Hedy Lamarr, verbindet das Projekt
technologische Innovation, wissenschaftliche Präzision und interdisziplinäre Teamarbeit.
Ziel des Projekts ist die Entwicklung einer druckgeförderten Flüssigrakete, betrieben mit
Ethanol und flüssigem Sauerstoff, die eine Flughöhe von bis zu neun Kilometern erreichen
kann und dabei eine Nutzlast mit 1 kg Masse transportiert. Das Projekt legt besonderen
Wert auf Eigenentwicklung, Sicherheitsarchitektur und Wissensweitergabe an künftige
Generationen von Studierenden.
Antrieb, Design und Flug
Hedy wird von einem eigens entwickelten, druckgeförderten Flüssigtriebwerk angetrieben,
das eine Schubkraft von rund 2.000 N liefert. Der Karbon-Raketenrumpf ist auf minimales
Gewicht und hohe strukturelle Festigkeit optimiert, wodurch die Rakete mit einem
Trockengewicht von nur 17,5 kg mit Abstand die leichteste ihrer Kategorie ist.
Am 12. Oktober 2025 um 18:04 Uhr Ortszeit hob Hedy nach erfolgreicher technischer
Abnahme und Betankung in Constância ab. Der Flug verlief stabil, die Telemetrie lieferte
durchgehend Daten, und das Apogäum wurde bei 5.336 Metern erreicht. Die zweistufige,
nicht-pyrotechnische Bergung funktionierte teilweise nominell: Der Bremsschirm öffnete wie
geplant, während sich der Hauptfallschirm aufgrund einer Fehlfunktion nur teilweise
entfaltete. Die Rakete landete dennoch kontrolliert mit etwa 90 km/h und konnte mit leichten
Schäden geborgen werden.
Trotz einiger struktureller Schäden des Rumpfes und der Finnen blieben alle elektronischen
Systeme, inklusive Ventilsteuerung, der Großteil des Antriebssystems, Datenaufzeichnung
und Telemetrie voll funktionsfähig. Damit konnte der Flug vollständig rekonstruiert und
ausgewertet werden.
Ein Meilenstein für die studentische Raumfahrt
Der erfolgreiche Flug von Hedy markiert einen entscheidenden Fortschritt für die
studentische Flüssigraketenforschung in Österreich. Das TU Wien Space Team hat gezeigt,
dass komplexe Flüssigraketentechnologie auch auf universitärer Ebene erfolgreich
entwickelt, getestet und gestartet werden kann. Die gewonnenen Flugdaten liefern wertvolle
Erkenntnisse für künftige Weiterentwicklungen in den Bereichen Triebwerksentwicklung,
Leichtbau und Avionik.
Technische Daten im Überblick:
- Projekt: Lamarr
- Rakete: Hedy
- Treibstoffe: Ethanol / Flüssigsauerstoff LOX
- Antrieb: Druckgefördertes Flüssigtriebwerk (2 kN Schub, ~9 s Brenndauer)
- Länge: 3,7 m
- Durchmesser: 133 mm
- Trockenmasse: 17,5 kg
- Startmasse: 25 kg
- Maximale Geschwindigkeit: 370 m/s (1300 km/h, Mach 1,1)
- Apogäum: 5.336 m
- Bergung: Fallschirm, zweistufig
- Ort: Campo Militar de Santa Margarida, Constância, Portugal
- Datum: 12. Oktober 2025



